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In Alsfeld haben wir am 24. Juli ein "ökumenisches Sommerfest" gefeiert und wohl jeder, der dabei war, hat gespürt: Es war etwas Besonderes!
"Hoppla!" dachte ich, als ich etwas spät, aber noch während des Läutens, die voll besetzte Christ-König-Kirche betrat. Hinten am Chorpodest fanden wir noch einen Sitzplatz. Ein erster Blick in den Altarraum bestätigt: Ja, es ist ein besonderer ökumenischer Gottesdienst! Nicht nur, wie in unserem Land üblich, ein evangelischer und katholischer Pfarrer, auch ein orthodoxer Priester sitzt mit im Altarraum: Yaroslav Chopan aus Nemeschajewo (Ukraine). Die Kirchen des Westens und des Ostens sind repräsentiert. Und auch eine kleine Gemeinde hat Priester Yaroslav mitgebracht: der Schulchor Kalinonka gestaltet den Gottesdienst musikalisch mit, neben dem Organisten Henrik Schlitt und dem Alsfelder Posaunenchor.
Mittelpunkt der Predigt war das schöne Lied des ehemaligen Frankfurter Propstes Trautwein: "Strahlen brechen viele aus einem Licht, / unser Licht heißt Christus." Abwechselnd sprachen Dekan Jerzy Dmytruk und Pfarrer Peter Remy über die fünf Strophen. In immer neuen Bildern denkt das Lied über die Vielfalt und Einheit der Christen nach. Am Schluss jeder Strophe heißt es: "... und wir sind eins durch ihn."
Symbolisch wurden - passend zu den Strophen - eine Kerze, ein Zweig, und die Gaben des Abendmahls - Brot und Wein - auf den Altar gestellt. Brot und Wein auf dem Altar: Mich persönlich erinnerte das in diesem ökumenischen Gottesdienst auch schmerzlich an das, was uns in der Ökumene noch versagt bleibt: die Gemeinschaft am Tisch des Herrn.
Oikumene, Pfarrer Remy wies darauf in der Predigt hin, bezeichnete ursprünglich den "Erdkreis", die jeweils in einer historischen Epoche bekannte Welt. Nemeschajewo, die Heimat von Priester Yaroslav und der Sing- und Tanzgruppe Kalinonka liegt 50 km von Tschernobyl entfernt. Die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zeigte uns im Jahr 1986 wie nahe der "Ostblock" liegt: Auch wir tranken wegen der Strahlenbelastung monatelang keine frische Milch, sammelten keine Pilze mehr, und Waggons voll "Strahlenmolke" geisterten durch die Republik. Nach der Öffnung der Mauer 1989 rückten uns die Länder Osteuropas noch näher, auch in ihrem Mangel. In Nemeschajewo liegt heute die Strahlenbelastung noch so hoch, dass sie Menschen immer noch krank macht: viele Krebsfälle, das Immunsystem des Körpers ist geschwächt. So ist es für die Kinder und Jugendlichen auch eine Erholungsmaßnahme, wenn sie einmal einige Wochen in einer anderen Umgebung leben können. Der Förderverein für deutsch-ukrainische Freundschaft hält den Kontakt und kümmert sich um Unterstützung. Es ist ein wahrhaft ökumenisches Projekt, weil es auch die Diakonia, den Dienst am bedürftigen Nächsten mit einschließt. In den Stunden des Sommerfestes konnte sich unser Blick über unseren mitteleuropäischen evangelisch-katholischen Horizont hinaus weiten. Ukrainische Sprache und Gesänge im Gottesdienst, das "ökumenische" nizänische Glaubensbekenntnis lassen uns ahnen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.
Auch bei der sich an den Gottesdienst anschließenden Feier im Atriumhof des Pfarrzentrums bestach der harmonische Vielklang der Kulturen: der Alsfelder Shantychor brachte uns eher nordische Klänge, Kalinonka ukrainische Volksweisen und -tänze, Alsfelder Posaunenchor und Angenröder Steijklepper unterhaltende deutsche Volksmusik. Die Sing- und Tanzgruppe Kalinonka faszinierte die deutschen Besucher durch ihre jugendliche Frische, durch teils bewegte, teils melancholische Gesänge in Einheit mit mitreißenden Tänzen und schauspielerischen Einlagen. Später am Abend begeisterten sich die Jugendlichen aus der Ukraine dann für die deutsche Unterhaltungsmusik und auch von den Alsfeldern schwang noch mancher das Tanzbein. Was auch zu einem "rauschenden Fest" gehört: Irgendwann gehen die Getränke aus, schon Jesus hat damit auf der Hochzeit zu Kana Erfahrungen gemacht. Statt einer wunderbaren Tat half in diesem Fall ein Kontakt nach Altenburg und die Zapfanlage rauschte wieder.
Insgesamt: viele erfüllte Stunden für die Besucher und Gäste. Und - neben der überreichten Spende des Evangelischen Dekanats Alsfeld in Höhe von 2000,- € - ein schöner Erlös von 2100,- € für soziale Projekte in Nemeschajewo, für Erholungsaufenthalte von Kindern und Jugendlichen und vitaminreiche Speisen in den Kindergärten. Dass der Erlös in dieser Höhe zustande kam, ist nicht zuletzt auch vielen Geschäften und Firmen der Region zu verdanken, die u.a. Brötchen, Würstchen und Getränke kostenlos zur Verfügung stellten.
Pfarrer Uwe Ritter