Was hat er nicht alles gemacht, getan und bewegt in der Evangelischen Kirche: Angefangen bei seinem fast 40 Jahre oder 650 Gottesdienste währenden Lektorenamt bis zur fotografischen Dokumentation der Alsfelder Kirchen und ihrer Kunstwerke. Am Sonntag sprach die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) offizell ihren Dank aus und ehrte mit der Silbernen Ehrennadel einen ihrer besonders verdienten ehrenamtlichen Mitarbeiter: Günter Filbrandt. Vor Jahren wurde diesem die Auszeichnung schon einmal angetragen, damals hatte er sie ausgeschlagen - zu selbstverständlich erschien ihm sein Engagement in der Kirche und für die Menschen. Doch nun hat Günter Filbrandt, Jahrgang 1925, die Ehrung aus den Händen von Propst Matthias Schmidt angenommen - auch als Ermutigung für andere, sich freiwillig und unentgeltlich zu engagieren. "Alsfeld und diese Kirche sind meine zweite Heimat geworden", sagte Filbrandt in einem kurzen Dankeswort.
Zuvor konnte Heinrich Dittmar in seiner Laudatio von einem ehrenamtlichen Potpourri berichten. Im Kirchenvorstand war Filbrandt aktiv und in der Dekanatssynode, und bis er im vergangenen Jahr für eine lange Zeit im Krankenhaus liegen musste, ist er ehrenamtlich als Lektor auf die Kanzel gestiegen, hat mit der Alsfelder und vielen anderen Kirchengemeinden im Dekanat gebetet, gesungen und die Liturgie geleitet. Die Kirche war ein zentrale Berstandteil in seinem Leben, von Kindesbeinen an. Vor allem seine Mutter hatte in seiner Heimatstadt Danzig das religiöse Leben gepflegt. Sonntags ging es schon damals zum Kindergottesdienst im Anschluss an die Erwachsenen in die Kirche. Nach dem Krieg verschlug es ihn seiner Frau wegen, die er beim Studium in Weilburg kennengelernt hatte, nach Alsfeld. Hier war er als Lehrer tätig, auch im Fach Religion, zuletzt an der Stadtschule. Lange Jahre leitete er die Pfarrer-Lehrer-AG, in der sich die beiden Berufsgruppen austauschen und gemeinsam fortbilden konnten. In den 80er Jahren gehörte Filbrandt zu den Begründern des Arbeitskreises "Offene Kirche" - heute halten etwa 50 Freiwillige die Walpurgiskirche im Sommerhalbjahr täglich vier Stunden für Besucher geöffnet. Viele Gruppen hat Günter Filbrandt durch die Kirche geführt, ihnen Kunst, Historie und religiöse Bedeutung der vielfältigen Ausschmückungen erläutert.
Viel Freude hat ihm auch die Mitarbeit in der ökumensichen Krankenhaushilfe bereitet - eine Tätigkeit, die überwiegend von Frauen wahrgenommen wird. "Zu den besten Zeiten waren wir drei Männer unter all den Grünen Damen", sagt Filbrandt, und weiß um die vielen seelsorgerlichen Gespräche, die sich darüber ergeben haben, dass er den Patienten Literatur aus der Krankenhaus-Bücherei angeboten hat. "Im Krankenhaus sprechen Menschen über Dinge, die sonst tabu sind. Da konnte man schon den ein oder anderen mit seinem Beistand trösten."
Eine große Leidenschaft von Klein auf war für Günter Filbrandt das Fotografieren - was er auch an seine drei Kinder weitergegeben hat. Aus wunderschönen Aufnahmen von Gebäuden und Landschaften entstand unter anderem zehn Jahre lang der Gemeindekalender. Aus dem von ihm gestalteten Postkartenbuch "Unsere Kirche, unsere Lieder" erhält Filbrandt noch heute gelegentlich einen Gruß von Gemeindegliedern, denen die Zusammenstellung viele Jahre Mut gemacht und Glaubensstärke gegeben hat. "Seine Bilder werden ihn weit überleben", würdigte Heinrich Dittmar den künstlerischen Gehalt von Filbrandts Fotografien.
Propst Matthias Schmidt spannte in seiner Predigt den Bogen von Gottes unbedingtem "Ja" zu jedem einzelnen Menschen hin zum ehrenamtlichen Engagement. Er berichtete, in einem Elternseminar habe einmal jemand auf die Frage, welche guten Worte man seinen Kindern mitgeben könne, den Zuspruch formuliert: "Du bist gewollt, du wirst geliebt, du wirst gebraucht." Schmidt: "Gott hat uns unterschiedliche Begabungen geschenkt, und es ist gut, sie zu einer Ehre einzusetzen - so, wie es Günter Filbrandt gehalten hat."
Timo Rieg (www.alsfeld-evangelisch.de)