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Herbert Jäkel: Das Christkindwiegen

Alsfelder Marktplatz zur Weihnachtszeit

Seit vielen Jahren und Jahrzehnten zieht es immer Wieder viele Bürger und Besucher zum historischen Marktplatz in Alsfeld, wenn ein alter Brauch am Heiligen Abend, das Turmsingen und Christkindwiegen, stattfindet. Jahr für Jahr stehen die Menschen mit Anteilnahme und Ergriffenheit unten am Marktplatz oder an den Fenstern ihrer Wohnungen, blicken zum Turm hoch und warten nach dem Ende des Gottesdienstes auf das Erscheinen der bunten Laternen, lauschen den Weisen der Bläser und Sänger und empfinden tief, wie sehr dieser schöne Brauch zu unserem Weihnachtsfest in Alsfeld gehört.

Wie entstand der Brauch?

Weihnachten - ,,Ze den wihen nahten", zu den heiligen Nächten - oder das Christfest ist das Fest der Geburt Jesu. Es hat sich erst im 4. Jahrhundert eingebürgert. Die Feier des 25. Dezember, die zuerst 554 in Rom bezeugt ist, geht vom Sonnenjahr aus und bezieht sich auf die neun Monate nach dem Tag der Weltschöpfung und der Verkündigung an Maria, den man um den Frühlingsanfang annahm. Der 25. Dezember wurde zugleich als Tag der Wintersonnenwende auf das in Christus angebrochene Weltenlicht gedeutet.

Aber nirgends hat Weihnachten eine so reiche Entfaltung in Liedern, figürlichen Darstellungen und Spielen gefunden wie in Deutschland. Die Weihnachtsspiele mit Krippe sind geistliche Volksschauspiele, die in der Liturgie des Gottesdienstes wurzeln und bei der es zwei Ansatzpunkte gibt: Die Verkündigung der Geburt mit dem Lobgesang der Engel und der Anbetung der Hirten am 25. Dezember und die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland am 6. Januar. lm 12. Jahrhundert wurde dem eigentlichen Weihnachtsspiel noch dessen Vorgeschichte, die Prophezeiung des Kommens Christi, beigefügt.

Im Laufe des Mittelalters wurden die zunächst lateinisch gesprochenen Spiele von solchen in deutscher Sprache abgelöst, im 14. Jahrhundert wurde die Krippe durch die Wiege ersetzt. Von allen geistlichen Spielen haben sich die Weihnachtsspiele am längsten erhalten, so auch das Alsfelder Weihnachtsspiel, das aus dem Jahr 1517, dem Beginn der Reformation durch Martin Luther, bezeugt ist.

Das Weihnachtsspiel baute auf den Volksgesängen auf, die zur Feier des Christfestes dienten. Es fand an der Krippe vor dem Altar statt. Nach der Reformation blieben nur die Weihnachtslieder übrig, die seit dem in der Christnacht vom Turm geblasen wurden. So entstand die in Alsfeld so stark traditionelle Form des Christkindwiegens auf dem Kirchturm mit Sängern, Bläsern, Lichtern und Weihnachtsbaum.

16 74 erstmals urkundlich erwähnt

Das Christkindwiegen wurde in Alsfeld erstmals 1674 urkundlich erwähnt, als der ,,Conrector" und ,,Director musices" Henrich Leußler mit Sängern und Musikanten auf den Turm der Walpurgiskirche gestiegen war, ,,Auf Weihnachten in der Nacht dem Christkindlein zu ehren".
Doch schon viel früher war es üblich, dass Bürger zum Beispiel im Gottesdienst singen durften. Ab 1467 sollte die Messe von dem Schulmeister mit den Schülern, Schulkindern und Bürgern gesungen werden. 1586 wurde zum ersten Male das ,,Collegium musicum" in Alsfeld erwähnt. Es erhielt für seine Mitwirkung beim Gottesdienst und Christkindwiegen den sogenannten Singwein, zuerst von der Stadt, später von der evangelischen Kirchengemeinde. So war das bis 1852 üblich. Nachdem sich 1859 ein Singverein, später ,,Liederkranz" genannt, gegründet hatte, erhielt dieser die Singweingelder, die ihm noch heute
zustehen.

1849 gingen die Sänger des Gesangvereins ,,Liederkranz" erstmals auf den Turm, um den alten Brauch des Christkindwiegens fortzusetzen. So hat es dieser Verein bis heute gehalten und im Laufe der Zeit die besonderen Regeln über den Ablauf geschaffen.

Ablauf des Christkindwiegens

Schon das Aufstellen des Weihnachtsbaumes auf dem untersten Turmumgang am Vormittag ist ein besonderes Ereignis für sich. Seit 1901 wird hier an der Ecke zum Marktplatz hin ein fünf Meter hoher Weihnachtsbaum mit vielen bunten Glühbirnen aufgestellt, seitdem sich das Baugebiet am Rodenberg entwickelt hat, auch auf der anderen Ecke. Mitglieder des Gesangvereins ,,Liederkranz-Harmonie" und der OVAG sind es, die die Bäume schmücken, hochziehen und aufstellen, was durch einen handfesten Imbiss belohnt wird.

Für die Sänger des Gesangvereins ist es schon immer eine besondere Ehre gewesen, beim Turmsingen dabei zu sein. Keiner mochte fehlen. Wer zum 25., 40. 0der 50. Male dabei ist, erhält als Anerkennung eine Urkunde und ein Präsent. 145 Stufen müssen sie und die Mitglieder des Posaunenchors hochsteigen, letztere noch 18 Stufen mehr zu dem 0beren Umgang.

lm Hinblick auf die Dreifaltigkeit wird dreimal, mit drei Versen und an drei Ecken des untersten Turmumganges geblasen und gesungen, nach Osten zum vorderen Kirchplatz, nach Süden zum Marktplatz und nach Westen zur Obergasse. Nach Norden wurde nie gesungen, da unter anderem aufgrund einer Legende böse Geister dort das Musizieren verwehren sollen. Während des Singens und Blasens leuchten die sechseckigen Sängerlaternen aus Holz mit buntem Glas oder Papier, die auf mannshohen Stäben getragen werden. Ihr Erscheinen und Wandern auf dem Turmumgang wird von der Bevölkerung immer mit großer Spannung erwartet.

Nach dem ersten Gottesdienst erscheinen um 17.15 Uhr die Bläser und Sänger mit den Laternen zum ersten Male. An den drei Ecken des Umganges werden nacheinander das Weihnachtslied ,,Vom Himmel hoch, da komm' ich her", der Choral ,,Lobt Gott, ihr Christen allzugleich" und das Lied ,,Ehre sei Gott in der Höhe" gespielt und gesungen. Danach finden in der ehemaligen Türmerstube Begrüßungsansprachen, Ehrungen und Jahr für Jahr ein Vortrag über ein geschichtliches oder kulturelles Kapitel aus Alsfelds Geschichte statt.

Um 18 Uhr kommen die Sänger und Bläser zum zweiten Male auf den Turmumgang, um die drei Lieder in einer anderen Reihenfolge vorzutragen. Erneut treffen sich die Mitwirkenden in der Türmerstube, um, der Tradition gemäß, einen Imbiss und einen kräftigen Umtrunk zu sich
zu nehmen. Bei einem kalten und windigen Abend tut so etwas gut.

Um 19.15 Uhr treten sie zum dritten Male heraus, um die drei Lieder wieder in einer anderen Reihenfolge zu singen und zu spielen, damit an jeder Ecke jedes der drei Lieder zu hören ist. Nachdem der Umgang beendet ist, eilen die Mitwirkenden zu ihren Familien nach Hause.
Ohne das Christkindwiegen ist die Heilige Nacht in Alsfeld nicht vorstellbar.


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